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Musizierfreude und Noblesse
Die Herrn und Damen des Esterházy Ensembles haben ihre Freude mit Tomasinis eleganter Musik. Mit Feuer ‚all’Ungharese‘ wird das Allegretto ma non troppo des G-Dur-Trios aufgepeppt, mancher Eröffnungssatz (e-Moll-Trio!) atmet sinfonischen Geist, insgesamt aber überwiegt ein Divertimentoton, der von den Musikerinnen und Musikern mit angemessener musikantischer Vitalität zelebriert wird. Die beschränkte dynamische Palette des Barytons legt den begleitenden Instrumenten einiges an Zurückhaltung auf, die hier tatsächlich geübt wird. Michael Brüssing spielt das fragile Instrument mit Verve und Esprit; gerne baut er auch mal eine Kadenz ein, um seine Fingerfertigkeit ins rechte Licht zu rücken.
Das ist eine CD für alle, die gehobene Unterhaltung suchen und vor unspektakulärer (aber qualitätvoller) Musik nicht zurückschrecken; Freunde exotischer Instrumente werden ebenso ihre Freude damit haben wie Haydn-Freaks, die auch über das Umfeld am Hof des Fürsten Esterházy Bescheid wissen wollen.
Die editorische Betreuung ist hervorragend, der Begleittext umfassend – typisch cpo. Selbst die Künstlerbiographie geht im Umfang über den gängigen Standard hinaus.
Künstlerische Qualität: 9 (Bewertungsskala: 1-10)
Klangqualität: 9
Gesamteindruck: 9
Luigi Tomasini, 1741 in Pesaro geboren, wurde bereits als Sechzehnjähriger an den Hof von Esterházy verpflichtet und stieg bald zum Konzertmeister auf. Joseph Haydn schätzte Tomasinis Spiel außerordentlich. Die beiden Musiker verband eine enge Freundschaft. Dem musikbesessenen Fürsten Nikolaus I. von Esterházy verdankt die Nachwelt eine Reihe von Kompositionen für den Baryton, ein gambenartiges Instrument mit zahlreichen zusätzlichen Resonanzsaiten. Joseph Haydn, Anton Kraft, Joseph Franz Weigl und nicht zuletzt Luigi Tomasini schrieben dem Fürsten und seinem ungewöhnlichen Steckenpferd Musik auf den Leib.
Das auf historischem Instrumentarium musizierende Esterházy-Ensemble stellt auf seiner CD eine Auswahl von fünf Trios für Baryton, Violine (bzw. Viola) und Violoncello vor. Michael Brüssing ist der souveräne Baryton-Solist. Tomasinis Musik, durchweg dreisätzige, klanglich überaus aparte, empfindsame Kompositionen, läßt durch manch überraschende Farbe und unvorhergesehene Wendung aufhorchen. Der feine, klagende Ton des Barytons wirkt besonders in den herrlichen Adagios rührend, und durchaus vermag sich das silbrige, tenoral-baritonale Timbre vom Violoncello abzusetzen.
Das Esterházy-Ensemble musiziert fein, geschmackvoll und mit vornehmer Noblesse. Manche Sätze jedoch hätten von einer klarer konturierten, rhythmischen Diktion (Nr. 6) bzw. von einem affektgeladeneren Zugriff (Nr. 5) noch profitieren können. Die Tontechnik hat gute Arbeit geleistet und die Stücke zwar direkt, doch angenehm räumlich eingefangen. Eine schöne, interessante Aufnahme, die ich vorbehaltlos empfehlen kann.
Heinz Braun
....However I can recommend another that does the composition justice: that of the Esterházy Baryton Trio, a really polished ensemble whose attention to dynamic and articulation bring the music to life.
Aline Nassif
Viola da gamba Mitteilungen Nr. 56 Dezember 2004:
„Komponier er mehr fürs Baryton“, so heißt der Untertitel einer wunderbar gelungenen CD, welche das Esterházy Ensemble, mit Michael und Maria Brüssing, Baryton und Barockcello, und András Bloyki, Barockviola, eingespielt hat. Adressat dieses Wunsches Esterházys war natürlich Joseph Haydn, und so sind denn auch fünf der Barytontrios von seiner Hand, ein sechstes von A. Luigi Tomasini, der als Geiger in Haydns Orchester zu seiner unmittelbaren Umgebung gehörte. Musik aus einem Guß also - und dennoch nur ein kleiner Ausschnitt, ist doch Haydn mit 126 Barytontrios dem Auftrag seines Brotherrn eifrigst nachgekommen. Erstaunlich immer wieder, wie volltönig ein solches Trio klingt, was natürlich der tiefen Stimmlage und der Resonanzfreude des Barytons zu verdanken ist, dazu kommt bei dieser CD eine wirklich makellose Aufnahmetechnik, die ohne allzu trocken zu wirken, auf eine einlullende Hallfahne verzichtet hat. Man ist nahe dran an den Interpreten, sitzt sozusagen in der ersten Reihe und kann sich genüßlich in die Salons der Herrschaften von damals hineinträumen, eintauchen in diese für uns so scheinbar heile Welt, in der eine Kadenz oder ein sich regulär in die Baßterz auflösender Sekundakkord noch nicht besserwisserisch bemäkelt wurden. Von einer eleganten und differenzierten Feinheit ist die Spielweise des Ensembles, wie man sie sich durchsichtiger nicht wünschen könnte. Statt alle Stücke einzeln aufzuzählen, sei pars pro toto die Schlußfuge des Trios Nr. 97 D-Dur hervorgehoben, mit einem luftig sich steigernden Grundmotiv, mit einem unglaublich engen Zauberwerk von Themeneinsätzen, mit Sequenzen, wo sie hingehören, mit einem kleinen Orgelpunkt zwischendurch, filgran verwoben - Seele was willst du mehr? Man sollte sich die einzelnen Werke nicht auf einmal anhören, sich die Muße nehmen hinzuhören und doch zugleich Abstand gewinnen. Dann eröffnet sich eine Welt, in die immer und immer wieder zurückzukehren allemal lohnt.
Dr. Manfred Zürcher
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